Mansplaining: lasst es einfach bleiben.

 
 
Wenn man die Nachrichten liest bzw. im Internet stöbert, wird man oft mit einem neuen Begriff konfrontiert. Dieser Begriff hat sich seit seiner Erfindung im Jahr 2008 (von der Schriftstellerin Rebecca Solnit, in ihrem Buch „Men explain things to me“) immer mehr und besonders in den letzten Jahren konsolidiert (offizieller Eintrag ins Oxford Dictionary)  und sich zu einer Ikone unserer Zeit entwickelt. 2015 wurde es in Australien zum Wort des Jahres gekürt.
Das Wort ist: „Mansplaining“.
 

WTF ist mansplaining?

Mansplainig ist, wenn ein Mann etwas einer Frau in einer herablassenden und bevormundenden Art und Weise erklärt, unter der fälschlichen Annahme, er wisse mehr über den Gegenstand als die Person, mit der er spricht.
Mansplaining vernachlässigt die Intelligenz einer Person (meistens die einer Frau), und setzt voraus, dass die eigene Arroganz und der eigene soziale Status die Kompetenz und das Know How des anderen übertreffen. 
  
Das ist die Erklärung des Wortes.
 
Aber warum macht mich dieses englische Wort so wütend? 
Weil wir Vollpfosten es ständig machen, manche mehr, manche weniger. 
Mansplaining ist nicht nur ein Wort, sondern ein Teil unserer Kultur, auf die wir nicht besonders stolz sein sollten.
 
Ja ich tue das auch, wahrscheinlich jeden Tag, und meistens zu meiner Frau (die noch dazu eine Akademikerin ist und ich nicht). Wir „mansplainen“ über alles gegenüber unseren und gegenüber anderen Frauen.
Ok, ich bin ein Ignorant ohne Kultur, aber was ist eure Ausrede? Ihr seid intelligente und kultivierte Männer! WTF!?
 
Ich bin sehr verärgert, über die vielen Beispiele im Fernsehen oder im normalen Leben. Die Politik seit Trump hat einen neuen Wegweiser, und die Allgemeinheit findet es in ihrem Innersten gar nicht so schlimm.
 


„It is a man’s world!“

sang das Lied, well… Schlechte Nachrichten für die, die es nicht wissen, aber das Lied geht weiter mit „But it would be nothing without a woman or a girl!“
 
In den Zeiten von James Brown waren die Rollen von Männern und Frauen anders definiert als jetzt, und das „Mansplaining“ wurde leider von vielen Frauen erwartet und für normal gehalten. Sogar das Lied ist ein bisschen peinlich in dieser Hinsicht.
Die Zeiten haben sich geändert.
 
Frauen sind Männern gleichwertig. Vielleicht ist euch noch nicht aufgefallen, aber viele Frauen haben männertypische Bereiche längst erobert und sogar verbessert. Wirtschaft, Politik, Management so wie alltägliche Berufe haben weibliche Experten, und ihr Know How ist oft besser als das eines Mannes.
Warum geht das dann aber immer so weiter und warum ist mansplaining immer noch so stark und lebendig?
 
Weil es die lange Gewohnheit der Männer widerspiegelt, die Glaubwürdigkeit der Frauen in Frage zu stellen.
 
Statistiken zeigen, dass Frauen öfter unterbrochen werden als Männer (Sorry Schatz!), Männer tendieren  business meetings zu dominieren. Männer werden als Top Studenten angesehen ohne ihre echten Noten zu berücksichtigen, und Männer genießen viele geschlechtsbedingte Vorteile.
 

Macht uns Männer das stolz?

Ich weiss, dass ihr, mich inkludiert, ein Testosterongeladenes, muskelbepacktes, haariges Pack seid, aber ich will nicht ein Rennen mit unfairen Mitteln gewinnen. Ich will jetzt nicht den Feminist spielen, ich will nur fair sein. Gib den anderen eine Chance.
 
Gib den anderen (Männern wie Frauen) die Möglichkeit, sich auszudrücken, ihre Pointe zu erklären, zu zeigen ob sie sich auskennen oder nicht. Wartet, dass ihr gefragt werdet und ob die andere Person bereitwillig ist, eure Meinung bzw. eure Erläuterungen zu ertragen.
 
Ich bin keine Frau, habe aber oft dieses Gefühl gespürt, wenn man sich demütigen lässt, man nicht zurück redet, oder sich von weit unterlegenen Menschen zur Sau machen lässt. Ich wurde herablassend behandelt, manchmal weil ich Ausländer war, sehr oft in der Arbeit, ab und zu in Diskussionen. Weil ich der Sprache nicht mächtig genug war, die Arbeit wichtiger als mein Ego war, oder ich nicht schlagfertig genug war, habe ich gelitten.
 
Man weiss nie wirklich wer vor uns steht, und nur auf Basis von Vermutungen zu glauben, dass man etwas besser weiss, ist nicht das, was ich als Männlichkeit empfinde.
 
Männer, ihr seid besser als das, schaut euch selber an und wenn ihr euch selber in einer mansplaining Situation ertappt, tretet euch selber in den Arsch und fangt nochmal an. 
 
Das ist das, was ich von einem echten Mann erwarte.
 
 
 
 
 


Fotos: via pixabay.com, und unsplash.com

 
 

7 comments

  1. Thomas 16 Januar, 2017 at 17:36 Antworten

    Hey giorgio, auf den Punkt gebracht… Wie das mit DT noch weitergehen wird darf man gespannt sein, er ist ja die Inkarnation des mansplainers…

  2. Doris 18 Januar, 2017 at 11:34 Antworten

    Danke, Giorgio, für diesen wunderschönen, ehrlichen Artikel! Du erzählst von Wahrnehmung, Bei-sich-sein und Respekt, nicht nur anderen gegenüber, sonder vor allem vor dir selbst. In drei Worten: Du hast Eier. 😀 Alles Liebe.

  3. patshipjz 29 Mai, 2018 at 08:26 Antworten

    Den Unterschied macht die Intention: Man(n) braucht das offensive Mansplaning ja nur in ein defensives Gespräch zu wandeln. Hinterfragen ob das Gegenüber etwas nicht versteht um man es erklären soll/darf – bei zustimmung fühlt Man(n) sich dann gleich noch besser weil er dann Mansplanen darf – es ist oft einfacher als man glaubt 😉

Sag mir was du denkst!!