Die Italiener und die Spaghetti. Wenn Essen zur Religion mutiert.

Hallo, bei diesem Beitrag kannst du auswählen, ob du ihn selber lesen willst oder mich, mit unerträglichem Akzent und lahmer Stimme, erzählen hören möchtest! 



 

In Italien gibt es die einzig wahre Spaghetti – Religion.

Das Fliegende Spaghettimonster, so genannt Pastafarianismus ist eine Religionsparodie, darüber machen wir keine Witze.

Wenn Essen zur Religion mutiert, bekommt man die Ernsthaftigkeit der Situation mit. Die Italiener nehmen ihre „Pastasciutta“ (übers.: Nudeln) sehr ernst, es gibt keinen Scherz darüber, es wird nicht geschummelt, alles muss sitzen und wenn die Nudeln 3 Minuten „drüber“ sind, werden sie auch nicht gegessen.

Genau deswegen wollte ich ein kleines Kompendium zusammenstellen um den „Nicht-Italienern“ zu helfen, gewisse Probleme zu vermeiden, falls sie sich mit Italienern auf „Pastasciutta“ Ebene treffen wollen.

 

Erstes Gebot:

NIE, NIE, NIE, NIE, NIE einem Italiener bei Pastasciutta widersprechen. Wurscht ob du das letzte Jamie oder Nigella Buch gelesen hast, wurscht ob du salzarm ißt, wurscht ob du einer glutenfreien Diät folgst. Halt die Klappe!! Shh! Sei Brav. Shhh, lass es bleiben, … good boy… es ist besser so.

Zweites Gebot:

Es ist nie genug Salz. Ich weiss, ihr gebt zu wenig Salz ins Wasser. Oder zu viel, dann ist es aber versalzen und das ist nur deine Schuld! Das Wasser muss wie Meereswasser schmecken. Meine Mutter hat immer mit der Hand eine Grube gemacht, und mir mit der anderen Hand, kleine unsichtbare Häufchen gezeigt, und dazu hat sie so etwas gesagt wie:“Für 5 Liter musst du so viel, für 3 Liter so viel, und für 7 soo viel..“. Es ist eine Zen Sache, wie bei den Shaolin Köchen, man weisst es, oder man ist einfach noch nicht so weit.

Drittes Gebot:

Ab und zu kommt jemand und sagt: „Ich salze es danach! Es ist eh das gleiche.“Dann sag ich: „Gut!!… Ich backe jetzt einen Kuchen ohne Zucker, und dann schütte ich ein halbes Kilo Zucker drauf… Ok? … In Würfeln!… Es ist eh das Gleiche!!“

 

 

Viertes Gebot:

Kein Öl ins Wasser. Punkt.

Fünftes Gebot:

Es gibt nur eine Konsistenz, einen Kochgrad, einen Moment, wo alle Engel ein Lied anstimmen: „Al dente!“ Das ist, wenn alles stimmt, wenn du in eine Spaghetti beisst und einen Mikroknacks hörst, du sie anschaust und siehst: Da genau in der Mitte, fast unsichtbar, aber da ist ein weisses Minipünktchen. Das ist der Punkt wo man stoppt. Alles danach ist letschert, alles davor ist zu hart. Die Nudeln auf die Decke zu schmeissen ist ein No Go! 

Sechstes Gebot:

Hebe dir ein bisschen Kochwasser auf, du wirst es für die Sauce brauchen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Siebentes Gebot:

Koste die Spaghetti ohne Sauce, weil jetzt – wenn du alles richtig gemacht hast – wird die Pasta auch so himmlisch schmecken!

Ich finde es extrem mutig wenn mich jemand zum Pastaessen einlädt, aber ein bisschen Risiko im Leben ist gesund! Ab und zu war es gut, manchmal habe ich gelogen.

 

 

Post Scriptum:

Zwei kleine Infos als Bonus:

 

Pastasciutta ist für uns Italiener ein Begriff der jede Art von gekochten Nudeln beschreibt, egal ob mit oder ohne Sauce. Das hat mit keiner besonderen Sauce zu tun und wird einfach mit dem Wort „Nudeln“ übersetzt. 

 

Nimm die offenen trockenen Spaghetti in zwei Hände, eine Hand oberhalb der anderen.  Mach eine Bewegung als ob du die Spaghetti strangulieren willst, und dann lass sie ins Wasser fallen. Jetzt hast du die Spaghetti wie ein Mikado Spiel um den Topfrand gefächert. Sie werden sehr schnell weich und du hilfst sie ins Wasser reinzuschlupfen. Das ist die beste und schnellste Methode um die Spaghetti gleichmässig in Wasser zu tunken. Nicht vergessen regelmässig umzurühren, oder sie werden am Boden picken bleiben.

 

Bin für Einladungen offen!

 


Fotos via: pixabay.com

7 comments

  1. office@emanuelhofer.at 12 Januar, 2017 at 17:33 Antworten

    Ein nützlicher Tip wäre auch noch die Nudeln keinesfalls mit kalten Wasser „abzuschrecken“, sondern direkt nach dem abseihen rein in die Sauce!

  2. Stefan Z. 17 Februar, 2017 at 19:12 Antworten

    Jetzt habe ich Lust auf´s Kochen bekommen. Aber verrate: wie verhält sich das al dente bei frischer selfmade Pasta? Und weil es dazu passt, schenk mir doch das ultimative Rezept für eine torta della Nonna.

    • GSironi 18 Februar, 2017 at 20:08 Antworten

      Frische „Pasta fatta in casa“ ist eine sehr besondere Situation, ich persönlich vermisse die Härte von getrocknete Pasta. Aber wenn man in der glückliche Lage ist so etwas köstliches zur Verfügung zu haben, dann würde ich empfehlen immer wieder zu kosten bis wann die richtige Mischung zwischen weichen Äussere und härtere Innen gefunden wird. Mir ist teilweise die Äussere Konsistenz ein bisschen zu matschig. Genial ist aber wie dann die Sauce richtig in der Nudel „aufgesaugt“ wird. Die Torte della Nonna ist geheim und meine Oma ist nicht mehr da. Meine Mamma darf ich nicht Oma nennen, deswegen, vermute ich dass es keine Antwort dafür geben wird. Zumindest nich bald. Aber wir diskutieren darüber lieber bei uns, mit einen oder fünf Gläser Wein! Alles Liebe!!

Sag mir was du denkst!!